VOM HOLZWAGEN ZUM ROTATIONSFLUGZEUG
Die Geschichte und Technik der Tafelberg-Seilbahn
Wie die Seilbahn des Tafelbergs von einem kriegsbedingt verzögerten Traum zu den heutigen rotierenden Rotair-Kabinen wurde – die Ingenieure, die Geldgeber und das Upgrade von 1997.
Check dates and availability ↗Ein Berg wollte zuerst eine Eisenbahn.
Kapstadt versuchte zuerst, den Tafelberg per Bahn zu erobern – nicht per Seilbahn. In den 1870er-Jahren schlugen Stadtbewohner eine Standseilbahn an den Hängen vor, doch der Plan stockte, und der Zweite Burenkrieg verdrängte ihn. Der Stadtrat griff die Idee 1912 wieder auf, nur um sie erneut durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen zu sehen. Jahrzehntelang bedeutete der Aufstieg zum flachen Gipfel eine ernsthafte Wanderung, und der Wunsch nach etwas Bequemerem war groß – nur fehlte ein Ingenieursplan, der das Papierstadium überstanden hätte. Erst Mitte der 1920er-Jahre, und mit einer ganz anderen Art von Ingenieur, bewegte sich die Idee vom Vorschlag zur Umsetzung. Was die Sackgasse schließlich durchbrach, war gar keine Bahn, sondern ein norwegischer Seilbahn-Spezialist mit einer völlig anderen Vision für den Weg zum Gipfel.
Der norwegische Plan und seine Unterstützer
1926 legte der norwegische Ingenieur Trygve Strømsøe drei der einflussreichsten Persönlichkeiten Kapstadts Seilbahnpläne vor – Sir Alfred Theodore Hennessy, Sir David Graaff und dem Minenmagnaten Sir Ernest Oppenheimer. Wo eine Standseilbahn eine feste, in den Berghang geschnittene Trasse benötigte, brauchte eine Luftseilbahn nur zwei Stationen und ein dazwischen gespanntes Seil – eine weitaus weniger invasive Methode, eine Felswand zu bezwingen. Die Geldgeber gründeten die Table Mountain Aerial Cableway Company, um Kapital einzuwerben und den Bauauftrag zu vergeben; kurz darauf begannen die Arbeiten an der Tal- und der Bergstation. Fast fünfzig Jahre nach dem ersten Eisenbahnvorschlag hatte der Berg endlich einen tragfähigen Plan – und diesmal kamen Geld und Technik gemeinsam an.
Erbaut von einem deutschen Drahtseil-Spezialisten
Der Auftrag ging an Adolf Bleichert & Co. aus Leipzig, eines der führenden Seilbahnbau-Unternehmen jener Ära, und das Projekt dauerte rund zwei Jahre und kostete 60.000 £ – eine beträchtliche Investition für eine einzelne Touristenattraktion im Kapstadt der 1920er-Jahre. Die Arbeiter errichteten sowohl die Tal- als auch die Bergstation und auf dem Gipfel ein Teehaus für die ersten Besucher, die den Gipfel erreichten, ohne zu Fuß zu gehen. Die Seilbahn wurde am 4. Oktober 1929 eröffnet, eingeweiht vom Bürgermeister von Kapstadt, A. J. S. Lewis. Die ursprüngliche Kabine mit Holzaufbau und Blechdach beförderte rund zwanzig Passagiere und einen Schaffner und benötigte für die Auffahrt knapp zehn Minuten – nach späteren Maßstäben bescheiden, doch für ihre Zeit eine echte ingenieurtechnische Meisterleistung und ein sofortiger Publikumserfolg.
Jahrzehntelang weitgehend dieselben Autos
Nach der Eröffnung entwickelte sich die Seilbahn zu einem dauerhaften Wahrzeichen, das über Jahrzehnte hinweg auf den ursprünglichen Kabinen basierte. Generationen von Besuchern fuhren mit ihr in den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zum Gipfel, während Kapstadt rund um den Berg wuchs und die Seilbahn zu einem seiner prägenden Wahrzeichen wurde. Doch die Kabinen, die 1929 noch bemerkenswert gewesen waren, erwiesen sich in den 1990er-Jahren als echtes Nadelöhr: Eine Kabine mit geringer Kapazität bedeutete an starken Tagen lange Warteschlangen, da die Besucherzahlen weit über das hinauswuchsen, was die Planer von 1929 vorgesehen hatten. Der Betreiber und seine Ingenieure begannen mit der Planung der ersten wirklich umfassenden Modernisierung in der Geschichte der Seilbahn – einer, die nicht nur die Kabinen ersetzen, sondern auch das Erlebnis jeder einzelnen Fahrt für jeden Passagier grundlegend verändern sollte.
1997: die Rotair-Transformation
Das Upgrade, das 1996–97 kam, wurde um eine neue Kabine des Schweizer Herstellers Garaventa gebaut, Teil der Doppelmayr-Garaventa-Gruppe, und veränderte die Fahrt gleich doppelt. Die Kapazität stieg von rund fünfundzwanzig Passagieren in den alten Kabinen auf 65 in den neuen – die Wartezeiten schrumpften dramatisch –, während ein Doppelseilsystem die Stabilität bei Wind verbesserte, der den Seilbahnbetrieb so oft bedroht. Das Markenzeichen aber war der Boden: Er drehte sich während des vier- bis fünfminütigen Aufstiegs um volle 360 Grad, sodass jeder Passagier – nicht nur die an den Fenstern – die gesamte Panoramaaussicht auf Stadt, Meer und Berghang genoss. Die heute noch fahrenden Kabinen sind direkte Nachfahren jenes Designs von 1997, das wegen seiner Drehung den Spitznamen „Rotair“ erhielt und berühmt machte.
Ein Wahrzeichen, das gepflegt wird – nicht nur in Erinnerung bleibt.
Die Geschichte der Seilbahn endete nicht im Jahr 1997. Im Januar 2019 begrüßte sie ihren 28-millionsten Besucher seit 1929 – eine Zahl, die ebenso viel über das Tourismuswachstum Kapstadts aussagt wie über die Maschine selbst. Die Table Mountain Aerial Cableway Company betreibt die Fahrt im Rahmen einer langfristigen Konzession, die von SANParks gewährt wurde, der Regierungsbehörde, die den Table Mountain National Park verwaltet und das Land besitzt, auf dem die Seilbahn steht – eine Pachtvereinbarung, die den Betreiber dazu verpflichtet, in die Maschinerie zu reinvestieren und nicht nur ein Museumsstück instand zu halten. Jede Wartungsschließung, jede Sicherheitsprüfung und jede wetterbedingte Einstellung ist Teil davon, eine fast hundert Jahre alte Idee – Kapstadts Bewohner und Besucher ohne anstrengenden Aufstieg auf den Gipfel zu bringen – sicher auf Seilen laufen zu lassen, die für das 21. Jahrhundert konstruiert wurden. Wer diese Geschichte versteht, erlebt die kurze, sanfte Fahrt nach oben als das, was sie ist: das aktuelle Kapitel eines sehr langen Projekts.